Text: Jürgen Aichele, Friolzheim

  

Nachrichten vom 23.08.2004

 

Amoklaufen ja, aber richtig
Ein Gespräch mit Frau Hilde Amok, der Gründerin des Amok Lauftreffs

Nachrichten vom 23.08.2004

Wie aus zuverlässiger Quelle zu erfahren war, wurde dem Antrag zum Erlass der Reform zur Ausführung eines kontrollierten Amoklaufes, in erster Lesung, im Reichstag mehrheitlich stattgegeben Alle Abgeordneten betrachten die Reformierung, zum Schutze ihrer eigenen Person, als unerlässlich Nach § 1 Absatz 1a, ist in Zukunft, der Amokläufer verpflichtet, einen gültiger Amoklaufpass bei sich zu tragen, der auf Nachfrage, Ziele des Amoklaufs sichtbar erkennen lässt Zur Erreichung der Amoklaufqualifikation, ist eine Ausbildung im einzigen, amtlich, anerkannten Amokinstitut erforderlich Das folgende Gespräch mit Frau Hilde Amok in unserer Talkshow „Nicht ohne uns" zum Thema

Amoklaufen ja, aber richtig.

Guten Abend Frau Amok, wir begrüßen Sie herzlich zum bekannten Thema, wir gehen sofort in die Vollen Frau Amok, wie sind Sie auf die Idee, mit Amoklaufen Geld zu verdienen, überhaupt gekommen und für wen ist sie gedacht7

Zuerst einmal möchte ich mich für die Einladung bedanken, aber nun gleich zu Ihrer Frage Die Idee kam mir bei der letzten Diätenerhöhung für die Einen, verbunden mit Mehrbelastungen für uns Anderen Sie ist für alle gedacht, die schon Pleite sind oder noch gehen Außerdem steigt parallel Nachfrage und Verlangen

Frau Amok, kann Ihr Institut von jedem Menschen in Anspruch genommen werden, muss der Ausbildungsanwärter Erfahrung mitbringen und wo liegt der Markt ?

Die Politiker sagen, wir sind der Markt, mit uns sind Sie verlassen Nun gut, dann muss man diese Möglichkeit in Betracht ziehen Bestimmte Grundkenntnisse sind natürlich von Vorteil, so zum Beispiel sollte man beim Amoklaufen schon einmal jemand nachweisbar getroffen haben

Frau Amok, welche Aufgaben haben Sie sich als Leiterin Ihres Institutes gestellt7

Das Amoklaufen muss organisiert werden, und zwar schell Wir üben alles, vom Einzellauf, der im allgemeinen wenig beeindruckt, über Gruppenlauf, bis hin zum Massenamoklauf, dem offensichtlich die besten Erfolgsaussichten zugeschrieben werden Niemand kann einfach nur so loslaufen und wahllos in der Gegend herum amoken. Wo kämen wir denn da hin, da blieben wir ja da wo wir schon sind. Deshalb empfehle ich, schon bei der geringsten Lust, Amok zu laufen, sich rasch uns anzuschließen.

Frau Amok, welche Vorteile haben die Leute, wenn sie sich anschließen und was können Sie ihnen vermitteln ?

Wir zeigen ihnen, wie richtig Amok gelaufen wird, was dabei zu beachten ist, welche Waffensystem für welchen Amoklauf geeignet ist, selbstverständlich auch die Zielgruppen, also der Markt Im dritten Ausbildungsteil erfahren unsere Lehrgangsteilnehmer, welche Formulare sie wie, warum und wie oft ausfüllen müssen, um amtlich anerkannte Amoklaufe durchführen zu können Alle 45 perfekt ausgearbeiteten Fragebögen, Hartz 65, zur Agenda „Leichte Ziele" müssen gewissenhaft beantwortet werden Ansonsten laufen Sie in Gefahr, dass Sie diese als Monierung zur Monierungsfrage unter Beantwortung falscher Monierungsthemen als Nachmonierung zurück erhalten Dann war alles umsonst, jedoch nicht kostenlos

 

Frau Amok, wenn ich Sie richtig verstanden habe, erteilt der Staat dafür eine Genehmigung, ist das richtig?

Natürlich, penibelgenau erfasst. Wie Sie wissen, ist in unserem System alles geregelt. So wie das Finanzamt die Höhe der Geldsumme aus Ihrem Banküberfall erfahren möchte, um daraus Einkommen- und Umsatzsteuer zu errechnen, so möchten die Ziele informiert werden, sie könnten sich sonst getroffen fühlen.

Außerdem dürfen Sie nicht, mir nix dir nix, einfach losballern und niemand, oder den falschen treffen. Das Zielgebiet sollte vorher weiträumig abgesperrt werden, damit sich die Betroffenen sicher sein können, wer gemeint ist.

Frau Amok, nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Ziele aus?

Nach erfolgreichem Abschluss der dreiteiligen Seminarreihe, darf jeder Abgänger sein Ziel selbst auswählen. Welche Kriterien sie oder er sich dabei zugrunde legt, ist eine persönliche Entscheidung. Wir vom Institut, vermitteln lediglich per aktuelle Hitliste die vordringlichsten Ziele.

Frau Amok, können Sie uns bitte das Auswahlverfahren Ihrer Hitliste erklären?

Selbstverständlich, in enger Zusammenarbeit mit einen bekannten Boulevardblatt, indem, das Bild der jeweiligen Ziele, mit Kommentar und Vorwürfen erscheint, erstellen wir nach Erfassung des größten Skandals, der unverfrorensten Lüge und bisher kaum bemerkten Oberabzocke, unsere Hitliste.

Frau Amok, Sie sprachen vorher von Waffensysteme, also sind Sie und Ihr Institut gefährlich?

Nein, wir sind nicht gefährlich, sondern, die meisten zu faul, zu dumm, dazu noch zu bequem. In den ersten und zweiten Ausbildungsgängen erlernen unsere Absolventen den Umgang mit der Schleuder, die Handhabung von Pistolen, MG's, sogar die Bedienung von Flugabwehrkanonen, sowie den sachgerechten Einsatz eines Leopard-Panzers. Seit kurzem führen wir zuzüglich Übungen an leichter Feldartillerie durch. Das alles haben wir vom spanischen Königshaus geleast.

Frau Amok, gibt es noch alternativen Waffen, um Ihr Vorhaben umzusetzen?

Ja, bei bestimmten Entscheidungsträgern und Verschiebern, verwenden wir oft Bargeld als Waffe. Das ist jedoch die kostspieligste und aufwendigste Art des Amoklaufes. Wird aber immer wieder erfolgreich eingesetzt. Der Nachteil ist, bis alles ans Licht kommt, dauert es meist sehr lange. Diese Entscheidung jedoch trifft unsere Abteilung für öffentliche Schmierung.

Frau Amok, welche Voraussetzungen müssen Ihre Seminarteilnehmer mitbringen, um bei Ihnen angenommen zu werden?

Sie müssen stinksauer sein, aber mal wirklich sauer. Frau Amok, wie bereiten Sie Ihre Schützlinge auf den Ernstfall vor?

Dürr sind die Möglichkeiten nicht, weit gefächert. Fast alle Fernsehsender strahlen regelmäßig unsere Motivationsprogramme, in Form von Horrorfilmen, Streifen über Gewalt, Totschlag und Mord, bis in die letzten Kinderzimmer, freiwillig aus. Lehrfilme, zum Thema „Wie viele Leichenteile kann ich im Kühlschrank verstecken und wie lange stinkt das nicht" gehen täglich über irgend einen TV-Sender. Den Rest macht die Gesellschaft selbst. Großen Dank gilt auch den Politikern, die ein derartiges Institut, durch ihre „Arbeit" überhaupt erst möglich machen.

 

Frau Amok, wie sehen Sie die Zukunft Ihres Institutes ?

 

Für diese Frage bin ich Ihnen sehr dankbar. Steigende Anfragen nach freien Ausbildungsplätzen lassen auf eine erfolgreiche Entwicklung unseres Institutes schließen. Aus allen Teilen der Bevölkerung bekommen wir Anmeldungen, so dass sich bereits Warteschleifen gebildet haben. Unser Seminarzentrum ist zentral gelegen. Viele Jugendliche, die nicht schon sowieso auf der Strasse sind, kommen von links. Erfolgreiche Jungdynamiker, eher von rechts. Manche gelb enttäuschten aus der Mitte, bis Mitterechts, manche aus dem Reich.

 

Frau Amok, zum Abschluss noch eine letzte Frage, gibt es in Ihrer Einrichtung Rassismus ?

 

In keinster Weise, wir haben des öfteren „Schwarze“ zunehmend „Braune“, wie schon erwähnt ist die steigende Zahl der „Gelben“ für die bisherige Sammlung bedenklich. Das wirklich erschreckende jedoch, ist die Zunahme der „Roten“.

 

Frau Amok, wir bedanken uns für das Gespräch und geben zurück an die Sendezentrale zum Spielfilm „Amoklauf im Finanzministerium“. Viel Spaß dabei und guten Abend.

 

Weitere Informationen unter :   http://www.hilde-amok-lauftreff.de

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