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Das Gilgamesch Epos
-eine kurze Zusammenfassung des Inhaltes
der zwölf Tafeln-
Quelle: Rainer Dietlein
http://home.t-online.de/home/Rainer.Dietlein
Gilgamesch,
der Held des Epos, wird zu den Fürsten gerechnet, die kurz nach der Sintflut
regierten. Er war König von Uruk und wird beschrieben als "übermächtig,
stattlich, kundig und weise". Er ließ die große Stadtmauer erbauen und
herrschte als Tyrann über sein Volk. Das ius primae noctis nimmt er für sich
in Anspruch. Er ist zu zwei Dritteln göttlicher Natur und zu einem Drittel
Mensch. Sein Schritt ist erhaben wie der eines Wildstiers.
Die Götter müssen beständig die Klagen der Unterdrückten hören und die Göttin
Aruru erschafft schließlich einen Gegenspieler zu Gilgamesch: Enkidu, einen
Naturmenschen, der in reiner Unschuld unter den Tieren des Feldes lebt und ihre
Sprache spricht. Als Gilgamesch durch einen Jäger von Enkidu erfährt, rät er,
Enkidu mit einer Frau zusammenzubringen, damit diese ihn verführe und nach Uruk
bringe. Der Plan gelingt und die Frau, ein Tempelmädchen des Ischtartempels,
entfremdet ihn durch ihre Liebe den Tieren der Steppe. In verschiedenen Träumen,
die Gilgameschs Mutter für ihn deutet, wird Gilgamesch die Ankunft des
Steppenmenschen Enkidu angekündigt.
Inzwischen ist Enkidu zum Menschen geworden: er lernt bei Hirten
essen und trinken wie ein Mensch, er kleidet sich, wäscht und salbt sich. Mit
dem Tempelmädchen kommt er in die Stadt Uruk und trifft dort auf Gilgamesch.
Enkidu verstellt Gilgamesch den Weg, worauf die beiden einen Zweikampf beginnen.
Der Kampf bleibt unentschieden und beide schließen Freundschaft.
Später erläutert Gilgamesch dem neuen Freund sein Vorhaben, den riesenhaften
und bösartigen Wächter der heiligen Zeder zu töten. Dieser Wächter mit dem
Namen Chumbaba, der die Menschen in Angst und Schrecken versetzt, lebt in
einem Wald und bewacht diesen Baum im Auftrag des Gottes Enlil. Die Ältesten
von Uruk warnen noch vor diesem Abenteuer, selbst Enkidu versucht seinen Freund
davon abzubringen und auch die Opferschau scheint ungünstig. Doch Gilgamesch
glaubt an seinen Erfolg und schließlich eilen sie zu den Waffenschmieden, um
sich mit Beilen und Schwertern für die gefährliche Unternehmung ausrüsten zu
lassen.
Die Ältesten von Uruk segnen Gilgamesch und geben ihm gute
Ratschläge mit auf den Weg. Sein Schutzgott Lugalbanda möge ihm den
Erfolg sichern. An Enkidu wenden sie sich mit der Bitte, seinen Freund zu behüten
und vor Schaden zu bewahren. Enkidu macht seinem Freund Mut und drängt dann zum
Aufbruch.
Danach begibt sich Gilgamesch zu seiner Mutter, der Königin Ninsun, um
sich für seine geplante Reise in den Zedernwald von ihr zu verabschieden. Mit
großem Kummer vernimmt sie die Entscheidung ihres Sohnes. Durch Gebete und
Opfer auf dem Dach ihres Hauses erfleht sie von Schamasch, dem
Sonnengott, Schutz und Glück für das gefährliche Vorhaben ihres Sohnes
Gilgamesch.
Gilgamesch und Enkidu befinden sich auf ihrer abenteuerlichen
Reise zum Zedernwald. Dieser lag nach der altbabylonischen Fassung des Epos im
Libanon. Die Reise selbst scheint ohne besondere äußere Ereignisse zu
verlaufen. Es wird nur berichtet, daß die beiden in regelmäßigen Abständen
einen Imbiß zu sich nehmen und am Ende jeden Tages ausruhen und sich mit Wasser
versorgen. Während Enkidu das Nachtlager vorbereitet, besteigt Gilgamesch jeden
Abend einen Berg, bringt ein Opfer dar und erbittet für die Nacht eine positive
Traumbotschaft. Enkidu deutet Gilgameschs verwirrende träume als glückverheißende
Vorzeichen für den bevorstehenden Kampf mit dem Ungeheuer Chumbaba.
Als sie in die Nähe des Zedernwaldes gelangen, ermutigt der Sonnengott Schamasch
die beiden, den Wald zu betreten, in dem Chumbaba haust. Da wird Enkidu durch
einen Schrei des Wächters so in Schrecken versetzt, daß Gilgamesch seine ganze
Überzeugungskraft aufbieten muß, um seinen Freund an der Umkehr zu hindern.
Gilgamesch und Enkidu stehen am Rande des Zedernwaldes und
staunen über die Größe der Bäume. Der Wald ist von einem Graben umgeben und
als erstes Anzeichen der Anwesenheit des Wächters sehen sie dessen Fußspur.
Die beiden bringen ihre Waffen in Ordnung und dringen in den Wald ein. Kurz
darauf treffen sie auf den Riesen. Dieser beginnt die beiden zu verhöhnen. Die
fürchterliche Gestalt Chumbabas erschreckt Gilgamesch, so daß es diesmal
Enkidu ist, der seinem Freund Mut macht.
Daraufhin beginnt ein dramatischer Kampf, bei dem sogar der Sonnengott Schamasch
eingreift und heftige Sturmwinde gegen Chumbaba schickt. Als der Riese seine
Lage als aussichtslos sieht, verlegt er sich auf Versprechungen und Bitten. Doch
Gilgamesch und Enkidu bringen ihr Werk zu Ende und erschlagen Chumbaba, der
zuvor die beiden noch verflucht. Danach fällen sie die heilige Zeder, zimmern
aus deren Holz eine gewaltige Türe für die Stadt und fahren auf einem Floß
den Euphrat abwärts zurück nach Uruk.
Beeindruckt von Gilgameschs Erfolg und seiner Schönheit
versucht die Göttin Ischtar ihn mit Liebesversprechen zu umgarnen und
sich als seine Geliebte anzubieten. Doch Gilgamesch durchschaut ihre List und hält
ihr in einer langen anklagenden Rede vor, alle ihre bisherigen Liebhaber ins
Unglück gestürzt zu haben. Er verweigert sich ihrem selbstsüchtigen Wunsch.
Tief verletzt empört sich Ischtar deshalb bei ihrem Vater, dem
Himmelsgott Anu, über Gilgameschs Zurückweisung. Unter Drohungen verlangt sie
von ihrem Vater, den wilden Himmelsstier zur Erde zu senden, um Gilgamesch zu töten.
Sie erhält das gefährliche Tier und läßt den Stier in Uruk frei, wo er unter
den Menschen zu wüten beginnt. Doch Gilgamesch und Enkidu gelingt es, den
Himmelsstier unschädlich zu machen. Ischtar bricht darüber in ein
Wehgeschrei aus, doch die beiden Helden verspotten und verhöhnen die Göttin
nur. Gilgamesch läßt daraufhin ein Freudenfest in seinem Palast feiern.
Als Strafe für die Tötung des Himmelsstiers und des Wächters
des Zedernwaldes beschließen die Götter Gilgameschs Tod. Enlil, der oberste
Gott der Götterwelt, aber entscheidet trotz des Einspruchs des Sonnengottes Schamasch,
daß nicht Gilgamesch, sondern Enkidu sterben soll. Enkidu erkrankt daraufhin
schwer. Wütend und fassungslos wegen der ihm willkürlich und ungerecht
zugedachten Strafe sucht Enkidu die Schuld einmal bei der Türe aus dem Holz der
gefällten Zeder, dann wieder bei dem Jäger, der ihn in der Steppe fand, dann
wieder bei dem Tempelmädchen, das ihn verführt und nach Uruk gebracht hatte.
Schamasch versucht Enkidu zu beruhigen, indem er ihn daran erinnert, daß
er in seinem Leben auch viel Schönes erlebt hat. In einem verstörenden
prophetischen Traum sieht Enkidu sich von einem Mann in Gestalt des Anzu-Vogels
überwältigt und in das Totenreich hinabgeführt. Seine Krankheit verschlimmert
sich und nach zwölf Tagen liegt er im Sterben.
Nach dem Tod Enkidus, des Sohnes der Gazelle und des Wildesels,
erhebt Gilgamesch eine lange und schmerzvolle Totenklage. In seiner Trauer ruft
er sich Szenen aus dem Leben seines Freundes und die gemeinsamen Abenteuer mit
ihm ins Gedächtnis zurück. Angesichts des für ihn Unbegreiflichen, des Todes
eines geliebten Menschen, wird Gilgamesch in tiefe Verzweiflung gestürzt. Er läuft
ruhelos umher, rauft sich die Haare aus und reißt sich die Kleider vom Leib.
Schließlich befiehlt er den Handwerkern, ein kostbares Bildnis des Freundes
anzufertigen. Als Ausdruck seines Schmerzes werde er außerdem, ohne seinen Leib
mehr zu waschen und nur mit einer Löwenhaut angetan, in die Steppe hinausgehen.
Am Ende dieser bruchstückhaften Tafel wird wahrscheinlich von der Beerdigung
Enkidus erzählt.
Enkidus Tod stellt auch gleichzeitig den Wendepunkt des Epos
dar. Gleich am Anfang dieser Tafel tritt das nun in den Vordergrund tretende
Motiv der ganzen Dichtung hervor: die Angst vor dem Tod. Mit der schrecklichen
Tatsache, eines Tages seinem Freund nachfolgen zu müssen, findet Gilgamesch
sich nicht ab und gerät in Panik. So macht er sich auf den Weg zu dem weisen
und fernen Utnapischtim, der eine Möglichkeit kennt, das ewige Leben zu
erlangen. Utnapischtim, der dem biblischen Noah entspricht, war vor der Sintflut
ein großer König. Er und die Seinen wurden als einzige gerettet und wohnen
jetzt auf einer Insel.
Auf dem Weg zu ihm muß Gilgamesch den Berg Maschu durchqueren, dessen Eingang
aber von den fürchterlichen Skorpionmenschen bewacht wird. Angerührt von
Gilgameschs Klagen geben sie ihm den Berg frei. Nachdem Gilgamesch durch
stundenlange Finsternis des Berginneren gedrungen ist, gelangt er schließlich
ans Tageslicht und findet sich in einem wunderbaren Garten wieder, in dem jeder
Baum Edelsteine trägt.
Auf seiner unruhigen Suche gelangt Gilgamesch zu einer Art
Taverne am Meeresufer. Dort trifft er auf eine kluge Frau, im Epos als die
Schenkin Siduri bezeichnet. Wegen seiner zerlumpten Erscheinung verschließt
sie ihm zuerst die Tür. Dann hört sie sich aber seine kummervolle Geschichte
an und versucht ihn zu überzeugen, daß seine Suche nach dem ewigen Leben
sinnlos ist. Stattdessen rät sie ihm, die Freuden des Lebens in vollen Zügen
zu genießen.
Gilgameschs Sehnsucht nach Unsterblichkeit wird durch die Lebensweisheiten der
Schenkin aber nicht zerstört. Auf seine Bitten hin zeigt sie ihm den Weg zum Fährmann
Urschanabi, der ihn über die Wasser des Todes zum weisen Utnapischtim
bringen könne. Als Gilgamesch Urschanabi findet, verweigert dieser zuerst die
geheimnisvollen Ruderstangen, mit denen allein die Überfahrt über die Wasser
des Todes möglich ist. Aus Ärger zerschlägt Gilgamesch die Ruderstangen. Doch
nachdem er Urschanabi seine traurige Geschichte berichtet hat, weiß dieser Rat
und sie verfertigen 120 hölzerne Ruderstangen, die allerdings jeweils nur
einmal in die Wasser des Todes eingetaucht werden können.
Die Überfahrt zu Utnapischtim gelingt und Gilgamesch schildert auch ihm seine
Trauer um Enkidu und seine Angst vor dem Tode. Die lange Antwortrede
Utnapischtims bietet wenig Trost, schließt sie doch mit der desillusionierenden
Feststellung, daß allen Menschen das Todesschicksal beschieden ist.
Utnapischtim erzählt Gilgamesch die Geschichte von der großen
Sintflut, die nur er und seine Familie überlebt haben. Auf Anweisung der Götter
habe er ein großes Schiff erbaut, in dem sich vor Einsetzen der großen Flut
seine Familie und die Tiere des Feldes in Sicherheit brachten. Die Geschichte
entspricht der biblischen Noah-Erzählung und endet mit der Errettung
Utnapischtims. Als besondere Gnade der Götter sei er unsterblich geworden.
Um Gilgamesch zu zeigen wie schwach ein Mensch ist, fordert Utnapischtim ihn
auf, sechs Tage und sieben Nächte nicht zu schlafen. Der übermüdete
Gilgamesch schläft aber bald darauf für sieben Tage ein. Zum Beweis für
Gilgameschs Schwäche bäckt Utnapischtims Frau jeden Tag ein Brot und legt es
Gilgamesch an das Kopfende seines Lagers. Als dieser wieder erwacht, enthüllt
Utnapischtim ihm das Geheimnis des Krautes der ewigen Jugend und wo er es finden
könne.
Unverzüglich taucht Gilgamesch in die Tiefe eines Schachtes zum Apsu,
dem Urozean hinab und pflückt dort das geheimnisvolle Kraut. Als er das
Wunderkraut bei einer Rast auf dem Rückweg einen Augenblick unbeaufsichtigt läßt,
wird es von einer Schlange aufgefressen, die wenig später ihre Haut abstreift
und sich verjüngt. Die Tafel endet damit, daß Gilgamesch vor den Toren Uruks
steht und den Fährmann Urschanabi einlädt, die Stadt und ihre Mauer zu
betrachten. In seiner ursprüglichen Fassung dürfte das Epos mit dieser Tafel
geendet haben.

Vermutlich ist die 12. Tafel in der uns vorliegenden Gestalt nur
eine Art von Anhang, denn sie setzt an ihrem Anfang voraus, daß Enkidu noch
lebt, obwohl er doch bereits am Ende der siebten Tafel stirbt. Zu Beginn der
Tafel klagt Gilgamesch, daß ihm seine Trommel und die Trommelstöcke in die
Erde gefallen seien. Enkidu verspricht, die Gegenstände aus der Unterwelt
heraufzuholen. Infolge der Verletzung der Tabus der Unterwelt wird Enkidu aber
in dieser festgehalten. Er kann nur als Totengeist zur Erde zurückkehren und
Gilgamesch die traurige Situation der Toten schildern.
Seit Bekanntwerden der sumerischen Gilgamesch-Dichtungen steht fest, daß die
12. Tafel weithin eine fast wörtliche Übersetzung der zweiten Hälfte der
sumerischen Dichtung "Gilgamesch, Enkidu und die Unterwelt" ist.
Hierdurch unterscheidet sie sich grundsätzlich von den ersten 11 Tafeln, die
nicht aus dem Sumerischen übersetzt sind, sondern eine selbständige
babylonische Dichtung darstellen. Wir wissen nicht, warum und wann dieser Anhang
dem Epos angefügt wurde, ohne daß er inhaltlich mit dem Vorhergehenden
abgestimmt wurde. Da die erste Hälfte der sumerischen Dichtung fehlt, wird die
12. Tafel noch schwerer verständlich.
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