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Immer wieder
von geheimen Organisationen gesprochen und über solche
gerätselt, von undurchsichtigen Vereinigungen und deren
Machenschaften. Die Journaille hat für Menschen, die
sich solche Gedanken machen, inzwischen schon einen
Terminus technicus gefunden, sie nennt sie:
„Verschwörungstheoretiker“. Das ist selbstverständlich
als Beschimpfung zu verstehen, denn genau so ist es
gemeint. Nach offizieller sowie offiziöser Sicht auf die
Welt kann es so etwas ja gar nicht geben, jedenfalls
nicht in Westlichen Demokratien, wo es ja in allem und
jedem auf das Allerbesten bestellt ist. Nehmen wir das
einmal so hin.

Und richtig:
Geheimbünde im klassischen Sinne sind die von den mehr
oder minder gescheiten „Verschwörungstheoretikern“ als
„Geheimorganisationen“ bezeichneten Gruppierungen
allesamt nicht, denn wenn sie das wären, ahnte niemand
von ihnen, wirklich niemand, also auch nicht die
sogenannten „Verschwörungstheoretiker“. Weder
Geheimdienste wie BND oder CIA noch Freimaurerlogen,
Bilderberger oder irgendetwas von dieser, jener oder
auch noch anderer Art, wovon Namen bekannt sind, ist ein
Geheimbund. Was die Geheimdienste anbelangt, so erfüllen
diese Aufgaben für ihre Vaterländer, und das ist
prinzipiell durchaus ehrenhaft, sofern sie keine
kriminellen Methoden anwenden. Doch so oder so sind
diese Dienste zwar Formationen die auf geheime Weise im
nationalen Interesse gewisse Tätigkeiten ausüben, aber
keine geheimbündischen Organisationen. Da besteht
nämlich ein erheblicher Unterschied. Die diversen Logen,
Freimaurerformationen usw. haben in vergangenen
Jahrhunderten in einigen Punkten geheime Strukturen
aufgewiesen, der einzige echte Geheimbund aller Logen
ist aber der Iluminaten-Orden von Adam Weishaupt
gewesen, bzw. dieser war dahingehend angelegt.
Bekanntlich wurde er enttarnt und zerschlagen, wie es
scheint. Ganz auszuschließen ist aber vielleicht doch
nicht, daß Adam Weishaupt viel klüger war als seine
Gegner annahmen und auch heutzutage noch annehmen. Er
könnte nämlich das getan haben, was über tausend Jahre
zuvor schon ein paar besonders raffinierte gnostische
Geheimbünde inszeniert hatten: einen vorgetäuschten
Verrat, dadurch die gewollte Zerschlagung nach außenhin,
damit sich die betreffende Gemeinschaft um so
unauffälliger in stiller Bedeckung unerkennbar neu
formieren und umso besser auswirken konnte. Die
Griechen, die dergestalt vorgingen, rechneten mit dem
Faktor Mensch, also damit, daß es früher oder später zur
Entdeckung kommen würde. So kamen sie dieser zuvor, sie
bestimmten dadurch gewissermaßen das Schlachtfeld und
nutzten den Vorteil. Das ist lange her, und auch nur
einzelne Gruppen waren so klug. Adam Weishaupt ist
vielleicht nicht weniger klug gewesen, möglich oder auch
nicht.
Alle anderen,
die längst Namensschilder an den Türen ihrer
Versammlungsräume befestigt haben, sind von echten
Geheimbünden unendlich weit entfernt, auch wenn sie Dank
reichlich finanzieller Mittel da und dort Einfluß
ausüben können sollten.
Geheimbündelei
ist verboten, Geheimbünde werden bekämpft. Das war schon
immer so, in jeder Staatsform, es ist es auch
heutzutage, in Republiken ebenso wie unter Tyrannei. Das
ist auch völlig logisch, denn ein Geheimbund brauchte
kein solcher zu sein, wenn seine Ziele nicht gegen die
herrschende Staatsmacht gerichtet wären, entweder
grundsätzlich oder zumindest in einzelnen Punkten, wobei
in vergangenen Jahrhunderten mitunter weniger der Staat
als die Kirche anvisierte Gegner war.
Wie steht es
darum nun heutzutage? Wie wir schon sagten: In den
Westlichen Demokratien, wo alle Menschen so vollkommen
glückselig sind und von der herrschenden Klasse
ausschließlich das Beste denken, wäre ein Geheimbund
ganz überflüssig, wer sollte ihn bilden und wozu? Diesen
Gedanken können wir also wohl aufgrund des zuvor
Festgestellten aus unserem Denken streichen!
Stellen wir uns
aber rein theoretisch einmal vor, es gäbe einige
uneinsichtige Leute, die nicht verstehen wollen, daß es
ja in allem und jedem gar nicht besser oder auch nur
ebenso gut sein könnte wie es ist. Höchst
unwahrscheinlich, aber nehmen wir es zwecks
Durchspielens eines fiktiven Fallsjetzt einmal an. Wie
könnte das aussehen.
Wie schon
gesagt: Ein Geheimbund muß vor allem die Qualität
besitzen, nicht als solcher bekannt zu sein, nicht
einmal marginal – es gibt ihn für Außenstehende ganz
einfach nicht. Da es in der Natur der Sache liegt, daß
jedes Zusammenwirken von Menschen auf irgendeine Weise
bemerkbar wird, muß der Geheimbund also in einem Wald
verstecken, den man vor lauter Bäumen nicht sieht. Oder
anders gesagt: Er erscheint nach außen hin als etwas
anderes als er ist, wählt sich gewissermaßen eine
Maskerade. Am günstigsten wäre es höchstwahrscheinlich,
sich ein Kostüm auszusuchen, das harmlose Elemente
dessen enthält, was dahintersteckt. So fiele auch nichts
sonderlich auf, was anderenfalls Aufmerksamkeit erregen
könnte.
Ein echter
Geheimbund im klassischen Sinne wäre die „Kette“ aus dem
Roman „Z-Plan“. In dem bald erscheinenden Roman, „Die
ewige Mitternacht“ desselben Autors geht es im
Hintergrund um einen geheimen Isais-Bund. Natürlich gibt
es den nicht, aber rein theoretisch könnte es ihn geben.
Dieser Geheimbund dringt nur selten bis zur
Erkennbarkeit an die Oberfläche, eben so, wie es bei
einem realen Geheimbund der Fall sein würde. Hier ist
die Perspektive der Blick von außen, und dieser kommt
über Ahnungen kaum hinaus, die Konturen des Geheimbunds
bleiben unfassbar. Aber hat dieses sich sogar ein
eigenes Vereinsgebäude erbaut und nennt sich offen,
„Magischer Zirkel“. Das klingt nach einer Mischung aus
Zirkus-Zauberkünstler und Amateur-Hokuspokus, mit einem
Wort: Naiv und harmlos. Und sollte doch da oder dort
jemand einen weitergehenden Hauch von Ahnung haben, so
verfügt die geheime Gruppe über die nötigen
Möglichkeiten, dies frühzeitig abzublocken.
Selbstverständlich: Solch einen Geheimbund gibt es
nicht! Um sich das Modell aber vorstellen zu können, muß
die Sicht von außen nach ihnen gerichtet sein, auf die
unsichtbaren Wälle – und womöglich ein wenig hindurch,
so wie der Mailänder Rechtsanwalt und der Hamburger
Kriminalkommissar in der „Ewigen Mitternacht“, die
Außenstehende sind und mit alledem nie in Berührung
geraten wären, wenn nicht der Faktor Mensch sich in
Gestalt einer dem Wahnsinn verfallenen Frau auf
unberechenbare Weise ausgewirkt hätte, Wer will, kann
das später lesen.
Zum Thema
Geheimbünde paßt diese Geschichte als Beispiel so gut,
weil hier deutlich wird, daß wir von etwas Ungreifbarem
sprechen, das darum auch nicht unmittelbar zu
beschreiben ist, sondern höchstens auf Umwegen.
All die
Vereinigungen, die oft als „Geheimorganisationen“
bezeichnet werden, obwohl sie im Grunde keine sind,
können verhältnismäßig leicht in greifbarer Gestalt
dargestellt werden, und auch dies auch weitgehend
zutreffend, oft bis ins Detail.
Bei einem
echten Geheimbund wäre das niemals möglich.

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